5. April 2026
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Wie die Römer in Carnuntum lebten

Heidentor Carnuntum

In Carnuntum ist die Römerzeit keine weit entfernte Vergangenheit, sondern mit allen Sinnen erlebbare Gegenwart. Dazu wurde weltweit einmalig ein Teil eines römischen Stadtviertels am Originalstandort wiedererrichtet. Sehenswert sind auch die Amphitheater und das heutige Wahrzeichen von Carnuntum, das Heidentor.

Carnuntum war vom 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. eine bedeutende römische Weltstadt an der Grenze des Römischen Reichs. Durch die militärisch wichtige Lage zur Grenzsicherung und die Nähe zu großen Handelsrouten, entwickelte sich Carnuntum zur Hauptstadt der Provinz Oberpannonien mit rund 50.000 Einwohnern.

In etwa 900 m südlich der Zivilstadt von Carnuntum entfernt, wurde das Heidentor vermutlich in der Regierungszeit Kaiser Constantius II (351–361 n. Chr.) errichtet. Das Heidentor war einst ein Monument mit doppelten Durchgängen über vier Pfeilern. Die Außenabmessungen waren die eines Würfels mit einer Seitenlänge von 14,5 Metern. Der mächtige Figurensockel im Zentrum des Heidentors legt die Deutung als Triumphalmonument nahe, ein Durchgang durch den Bogen war somit nicht möglich. Auf dem ca. 4,3 m hohen Figurensockel war wahrscheinlich eine überlebensgroße Kaiserstaue aufgestellt.
Das Heidentor ist bei freiem Eintritt zu besichtigen.

Das römische Stadtviertel

Die moderne wissenschaftliche Erforschung des „Pompejis vor den Toren Wiens“ begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Tatsache, dass die antike Stadt Carnuntum in weiten Teilen nie modern überbaut wurde, macht Carnuntum zu einem Schatz für die Wissenschaft: Die zweitgrößte Gladiatorenschule weltweit wurde hier 2011 gefunden und ist auch nach 2000 Jahren unzerstört erhalten geblieben.

Um die freigelegten Funde dauerhaft zu sichern, setzte das Museum gemeinsam mit der Denkmalbehörde ein weltweit einmaliges Konzept um: Direkt am Originalstandort wurde ein römisches Stadtviertel wiedererrichtet. Die Rekonstruktionen wur­­den mit Mitteln der experimentellen Archäologie gestaltet und sind voll funktionstüchtig: Römische Werkzeuge wurden nachgeschmiedet und kamen beim Bau zum Einsatz, die Tonplatten für die Fußbodenheizungen wurden in eigens hergestellten Öfen gebrannt, man hat für die Dachkonstruktionen nur Altholz verwendete, das wie bei den Römern üblich gehackt und nicht geschnitten wurde. Der Bau selbst erfolgte unter Anwendung antiker Handwerkstechniken. Die Innenausstattung wie Wandmalereien, Mosaike, Bodenbeläge und Einrichtungsgegenstände wurde anhand von Reliefdarstellungen entsprechend rekonstruiert.

Im römischen Stadtviertel sind unter anderem zu bestaunen:

  • Das Haus des Lucius zeigt sehr gut den Lebensstandard der Carnuntiner Mittelschicht. 
  • Die villa urbana war ein prächtiges Stadtpalais
  • Römische Therme: Der Besuch der thermae mit ihren beheizten Räumen und Wasserbecken war ein fester Bestandteil der römischen Lebenskultur.
  • domus quarta mit dem einzigen am Originalstandort erhaltene Fußbodenmosaik in Carnuntum
  • Haus des Ölhändlers: ein Geschäftslokal für Waren des gehobenen Bedarfs samt Wohngebäude

Amphitheater und Gladiatorenschule

Die beiden Amphitheater und die Gladiatorenschule belegen den hohen Stellenwert der Gladiatur im antiken Carnuntum. Eine Multimediaausstellung neben dem Amphitheater der Militärstadt gibt einen Einblick in die Welt der antiken Arenakämpfer.

Das Amphitheater in der Militärstadt wurde während des 2. Jahrhunderts n.Chr. aus Stein erbaut, auf den Zuschauerrängen fanden insgesamt rund 8.000 Menschen Platz. Aufgrund der Lage direkt neben dem Legionslager wurde es gewiss auch für Exerzier- und Reiterübungen genutzt.

Das Amphitheater der Zivilstadt lag außerhalb der antiken Stadtmauern und wurde Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. errichtet. Die Arena war beiderseits der Tore von 25 Meter breiten Tribünen umgeben, die etwa 13.000 Besuchern Platz boten. Das Amphitheater der Zivilstadt liegt neben dem Römischen Stadtviertel in 10 Minuten Gehweite.

Römerstadt Carnuntum Hauptstraße 1A
A-2404 Petronell-Carnuntum
roemerstadt@carnuntum.at
2163 3377-0
https://www.carnuntum.at/