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Die Semmeringbahn

Semmeringbahn

© Bwag/Commons

Die Semmeringbahn ist eine Teilstrecke der Südbahn in Österreich. Die erste normalspurige Gebirgsbahn Europas wurde von Carl von Ghega geplant und 1854 eröffnet. Strecke und Lokomotivbau der Semmeringbahn gelten als Meilensteine der Eisenbahngeschichte. Seit 1998 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Am 23. Oktober 1853 fuhr zum ersten Mal eine Lokomotive über die gesamte Strecke. Am 16. Mai 1854 befuhren der Kaiser und die Kaiserin die Bahnstrecke, am 17. Juli 1854 konnte die Bahn feierlich eröffnet und dem allgemeinen Personenverkehr übergeben werden. Bis zum heutigen Tag hat sich an der Streckenführung nicht viel geändert.

Schwierige Bedingungen

In einer Rekordzeit von nur sechs Jahren wurde die Semmeringstrecke als die erste vollspurige Bergbahn Europas errichtet. Schwierige geologische Bedingungen, Schluchten, und Bergrücken erschwerten die Verlegung der Schienenstränge, sodass die zusätzliche Konstruktion von Tunnels, Viadukten und Brücken unumgänglich war. Bis zu 20.000 Arbeiter waren mit dem Bau beschäftigt, ausgestattet mit nur wenigen Baumaschinen und Schwarzpulver von geringer Sprengkraft. Es galt jedoch auch noch ein anderes Problem zu lösen. Eine Dampflokomotive zu finden, die die enorme Steigung über den Semmering überwinden könnte.

Ab den 1920ern leistete die Reihe 82, später ÖBB 95 – hier als Denkmal im Bahnhof Payerbach-Reichenau – Vorspann- und Schiebedienste. © Herbert Ortner, Vienna, Austria

Die Semmeringbahn überwindet eine Höhendifferenz von 457 m, der höchste Punkt liegt auf 896 m. Die Strecke umfasst rund 41 km, 16 Viadukte (davon mehrere zweistöckig), 15 Tunnels und 100 gemauerte Bogenbrücken beziehungsweise Eisenbahnbrücken. Auf den Einsatz von Stahl und Eisen wurde vom Erbauer vollkommen verzichtet. 1998 wurde die Semmeringbahn vom UNESCO-Welterbe-Komitee zum Weltkulturerbe erklärt, mit der Begründung, dass sie „eine herausragende technische Lösung eines großen physikalischen Problems in der Konstruktion früherer Eisenbahnen repräsentiere“. Zum Gedenken an das Genie der Baukunst des Carl Ritter von Ghega steht ein Denkmal am Bahnhof Semmering. Dieses ist gleichzeitig auch Ausgangspunkt des Bahnwanderweges.

Der niederösterreichische Bahnwanderweg

Vom Bahnhof Semmering führt der Weg entlang des Bahnkörpers, vorbei an Aussichtspunkten mit dem großartigem Panoramablicken auf den interessanten Teil des Gesamtbauwerkes bis zum Bahnhof Breitenstein (9 km), Klamm (15 km), Payerbach (21 km) oder Gloggnitz (23 km). So kann jeder Wanderer individuell seine Route zusammenstellen und von einem der Bahnhöfe mit dem Zug wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren. Ein besonderes Erlebnis sind die vielen unvergleichbaren Aussichtspunkte sowohl auf die Bahntrasse als auch auf die wunderschöne Landschaft des Semmeringgebietes.

Infofolder zu den Bahnwanderwegen herunterladen.

Am Bahnhof Semmering erfährt man im neuen Informationszentrum alles Wissenswerte über das Weltkulturerbe Semmeringbahn und umgebende Landschaft. Im modernen Medienraum geben Kurzfilme Einblicke in den aufwändigen Bau der 1. Gebirgsstrecke Europas. Zu sehen sind Pläne, Skizzen und Bahnmodelle sowie zahlreiche Publikationen, von Bildbänden bis zu Wanderführern. In einem Modellausschnitt der „Kalten Rinne“ verkehren Modellzüge mit typischen Semmeringlokomotiven und Zugsgarnituren.

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